Runde #7: Die zehn größten Mythen der Spieleindustrie – von denen wir circa drei verraten (Teil 1)

So genannte Listicles sind total hip im Onlinejournalismus, weil sie interessante Headlines mit leicht konsumierbaren Inhalten kombinieren. Höchste Zeit, dass wir da mitmachen! Leider haben wir den Teil mit den „leicht konsumierbaren Inhalten“ versaut. Schnell wurde daher klar: Das lässt sich nicht bei einem einzigen Bier abhandeln. Daher gibt’s heute den ersten Teil unseres Epos zu den großen Mythen der Spieleindustrie – unter anderem mit „Alle Publisher sind böse“ und „Spiele sind Kunst, damn it!“.

An dieser Stelle erneut der Hinweis: Es gibt uns jetzt auch auf iTunes. Weil ihr es so wolltet! Da sag noch einer, wir tun das hier alles nur, weil wir uns zuschütten wollen! Wir freuen uns, wenn ihr im iTunes-Store fantastische Reviews hinterlasst, damit wir noch selbstverliebter durchs Leben gehen können. Wir sagen übrigens nicht, dass ihr dabei auch noch andere Gaming Podcasts dissen müsst. Wir sagen nur: Warum nicht erstmal ein-zweitausend Worte darüber schreiben, wie sehr die Konkurrenz suckt und dann schauen, wie sich das anfühlt? „Just the tip“ und so.

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28 Gedanken zu “Runde #7: Die zehn größten Mythen der Spieleindustrie – von denen wir circa drei verraten (Teil 1)

  1. wullewulle 24. Mai 2015 / 21:51

    Da ihr Anti-Kriegsspiele, bzw. das Fehlen ebendieser angesprochen habt : Was haltet ihr denn von This War of Mine oder auch Valiant Hearts? Kommen die im Vergleich mit den Filmen bei euch besser weg?

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    • Andre 26. Mai 2015 / 1:04

      IMO: Nein. Ich finde Valiant Hearts ist über weite Strecken eher ein niedliches Casual-Action-Adventure. Das ist wie ein Disney-Film: Ja, Mufasa stirbt, aber die meiste Zeit singen alle. 😉 Und „This War of Mine“ kann stellenweise wirklich direkt aus der Spielmechanik sehr bedrückende Ideen ausdrücken, ist aber meiner Meinung nach zu abstrakt. Das berührt wirklich nur, wenn man sich sehr viel in der eigenen Fantasie dazu denkt / erfindet. Beides sicherlich ehrbare Versuche, aber beide IMO überschätzt aus dem ewigen Drang Spielen endlich diese Bedeutung anzudichten, ohne das sie bereits erreicht wäre.

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  2. Anonym 25. Mai 2015 / 23:32

    Spiele zweiter Verteilungsweg: Let’s Play oder auch GMV’s (Game Music Videos)

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    • Andre 26. Mai 2015 / 1:07

      An Let’sPlays verdienen die Publisher ja größtenteils noch nicht mit, ist also zumindest vorläufig eine tote Verwertungskette. Zumal es kein wirklicher zweiter Kanal ist, wenn das Medium selbst erst in etwas grundlegend anderes transformiert werden muss, bevor es darauf funktioniert. Das ist dann eher angeschlossene Rechteverwertung, wie Merchandise und den gibt es ja bereits (auch wenn er nur in wenigen Ausnahmefällen professionell durchgezogen wird bzw. auch nur funktioniert. Löbliche Ausnahme zB: Angry Birds).

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  3. Das_Prinzipat (@Das_Prinzipat) 26. Mai 2015 / 3:32

    Hi, schöner Podcast.

    Ich wollte mal ein paar Worte zum Thema Spiele und Kunst verlieren. Ich hoffe, das ist der richtige Ort hier. 🙂

    Es wäre schön gewesen, wenn ihr zum Beginn euren Kunstbegriff beschrieben hättet. Geht es um die juristische Perspektive (relevant beim Jugendschutz) oder eure persönliche oder irgendwelche Kunsttheorien. Gerade bei einem solchen Begriff wären da einige einleitenden Worte gut gewesen.

    Ihr reitet dort nämlich mMn zu sehr auf einer moralischen Ebene rum. Es geht beinnahe ausschließlich um Anti-Kriegsspiele, schwere Entscheidungen und Brechen mit den gesellschaftlichen Konventionen.
    Aber auch die wunderschön gestaltete Spielwelt Skyrims, die mich rein atmosphärisch berühren kann, ist imho Kunst. Oder die Stadt in Gothic 2, die mir heute noch ein heimisches Gefühl gibt. Ebenso Max Payne 2, wo ich elegant durch die Luft segele und dabei selbst unglaublich eindrucksvolle Actionsequenzen erzeuge. Oder ein Dark Souls, wo ich vor Freude weine, wenn endlich der verdammte Boss endlich fällt.
    Warum soll all dies keine Kunst sein? Wie sollen die Spiele denn Kunst sein, wenn ihr einen Maßstab anlegt, der viele Besonderheiten von Spielen ausblendet?

    Zudem sprecht ihr manchen Spielen den Kunstanspruch ab, nur weil sie Filmen nacheifern. Wenn Filme grundsätzlich Kunst sind – was ja meist auch bei ‚Schwachsinnsfilmen‘ wie Transformers angenommen wird -, dann muss ein Spiel, das die gleichen Bilder und die gleiche Wirkung erzeugt und dazu noch eine gewisse Mechanik bietet, doch erst recht Kunst sein.

    Aber selbst wenn man euren Maßstab anlegt, finden sich zahlreiche Kunstaspekte in größeren Produktionen. Aktuelles Beispiel: The Witcher 3. Das lässt einen an unzähligen Stellen Entscheidungen treffen, die nie schwarz-weiß sind. An vielen Stellen denkt man sich am Ende: „Ach herje, was hab ich getan?!“. Da ist genau die geforderte Interaktivität der Entscheidungen.
    Anderes Beispiel: The War of mine. Oder dieses Spiel im Fantasysetting, wo man einen Flüchtlingszug über Schneelandschaften führt (gerade den Namen vergessen).

    Insgesamt habt ihr da meiner Meinung nach einen Kunstbegriff zugrunde gelegt, der viel zu eng ist. Es wirkt stellenweise beinahe so, als hättet ausgerechnet ihr gerne sowas wie ‚Filme nur interaktiv‘. Alles Spielerische ist dann natürlich beinahe unbedeutend.

    In diesem Sinne: Eine schöne Woche.:)
    LG

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    • Das_Prinzipat (@Das_Prinzipat) 26. Mai 2015 / 3:35

      Falls sich jemand wundert: Mein fast nie genutztes Twitter-Konto wurde wohl ‚gehackt‘, wie mir gerade auffiel. Daher wohl die dämlichen Tweets 😉
      Ich kümmere mich drum.

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    • Andre 27. Mai 2015 / 14:46

      Filme sind nicht grundsätzlich Kunst – zumindest glaube ich nicht, dass vieel Menschen das so pauschal wahrnehmen. Man spricht nur dem Medium grundsätzlich zu, ein Kunstmedium zu sein, was bei Spielen ja noch nicht der Fall ist.

      Natürlich sprechen wir hier aber von unserer eigenen Vorstellung was Kunst angeht – da gehen ja selbst Jochen und Ich schon in der Betrachtung auseinander. Ich würde aber zB sagen: Wenn die Mona Lisa im Spiel an der virtuellen Wand hängt, wird deswegen nicht das ganze Spiel zum Kunstwerk. Einzelne Grafiken können also Kunstwerke sein, ohne das deswegen das Gesamtwerk direkt auch Kunst sein muss. Wenn die Entwickler tatsächlich eine komplette Welt erschaffen, kann ich mir aber vorstellen, dass sie in sich ein Kunstwerk darstellen kann, selbst wenn darin banalstes Gameplay stattfindet. Auch dann ist aber die Frage: Ist dann das ganze Spiel ein Kunstwerk? Genügt der Teilaspekt?

      Ich persönlich würde wieder Journey als Beispiel nehmen. Das Spiel erschafft eine wundervolle Spielwelt, es ist entstanden aus dem Willen, einem Gefühl und einem Gedanken in Form eines Spiels Ausdruck zu verleihen (da bin ich bei Kandinsky: Kunst sollte dem Wunsch entstehen, einem inneren Wunsch / einer Idee / einem Gefühl / einer Vision etc Ausdruck zu verleihen), es löst beim Betrachter Emotionen aus und provoziert tiefgründige Erfahrungen und Eindrücke, die weit über das reine Spielgeschehen hinaus gehen. Es ist, gerade wegen seinem geringen Umfang und seiner stark beschränkten Erfahrung, eines der perfektesten Spiele aller Zeiten (IMO) und es ist für mich eindeutig Kunst.

      Viele andere Spiele haben Aspekte an sich – sei es in der Geschichte, der Grafik etc, die durchaus kunstvoll sind. Aber nur ganz selten fügt sich in einem Spiel wirklich alles zu einem Kunstwerk zusammen. Und – das war ja auch eines unserer Argumente – viele Entwickler haben erkennbar keinerlei Interesse irgendetwas mit ihren Spielen auszudrücken, sondern wollen ein Entertainment-Produkt machen.

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      • rammmses 27. Mai 2015 / 15:23

        Da merkt man wieder wie subjektiv das Ganze ist^^ Du erklärst „die emotionale Wirkung“ am Beispiel von Journey. Ich persönlich fand das sterbenslangweilig und esoterischer Blödsinn, der so manipulativ mit Sound und Grafik arbeitetet, dass es bei mir eher Distanz schafft, da die Absicht eben so offensichtlich und banal ist. Da hatte etwa The Last of Us oder auch nur Mass Effect größere Wirkung auf mich. Oder bin ich jetzt einfach nur ein „Kunstbanause“? 😉

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      • Andre 27. Mai 2015 / 15:25

        Was war denn die offensichtliche Absicht, die du so banal findest?

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  4. rammmses 26. Mai 2015 / 14:06

    Wieder guter Podcast inhaltlich! Nur so langsam könntet ihr auch mal ein wenig an der Präsentation schrauben… Jochen ist deutlich leiser als Andre und überhaupt ist die Tonqualität nicht so toll. Wenigstens ein Minimum an Schnitt wäre auch nicht schlecht, hier gab es jetzt 2 mehrere Minuten lange Skype-Aussetzer, die ihr euren Hörern nun nicht unbedingt zumuten solltet. Inhaltlich aber bitte weiter so 😉

    Dazu auch gleich mal zur Kunst-Debatte: Das scheint ja hier an der Definition zu hängen. So wie ich das raushöre, habt ihr (besonders Jochen) da eine sehr, sehr enge Definition. Kino-Blockbuster wie Transformers oder die Marvel-Filme würden da scheinbar auch wie selbstverständlich nicht mehr drunter fallen, was ich nicht für richtig halte. Die Schaffung einer integren imaginären Welt durch filmische Mittel, Artdesign, Musik etc. sollte bereits den Anspruch als Kunst prinzipiell erfüllen. In diesem Sinne sind auch die meisten Spiele als Kunst zu begreifen. Da genügt es eigentlich schon sich mal mit umfangreicheren und kommentierten Artbooks, die es ja zu diversen Spielen gibt, auseinanderzusetzen, um zu erkennen, dass es sich nicht nur um berechnende Kommerz-Produkte handelt. Überhaupt sehe ich diesen Widerspruch nicht, warum darf Kunst nicht gleichzeitig den Massengeschmack treffen und kommerziell erfolgreich sein? Warum sollten etwa unbedingt Tabus gebrochen werden? Woher dieser elitäre Kunstanspruch? Dass dadurch „das Medium vorangebracht“ wird, ist ohnehin eine gewagte These. Dass beispielsweise die die 60er-Jahre-Hippie-Arthouse-Filme es ermöglicht haben, dass es nun wie selbstverständlich nackte Haut in Filmen gibt, kann man doch so nicht sagen. Massenmedien reflektieren immer die Gesellschaft, in der sie entstehen und da hat sich der Umgang mit Sexualität, Gewalt etc. einfach geändert in den letzten 50 Jahren und das ist sicher nicht der Verdienst diverser Pionier-Kunstwerke. die einfach nur ein Stück weit ihrer Zeit voraus waren.

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  5. Sebastian Klein 26. Mai 2015 / 14:24

    Den Abschnitt über Spiel&Kunst fand ich sehr interessant. Manchen Sachen kann ich zustimmen, anderen aber nicht.

    Zum Beispiel: Solange Unsinn wie Transformers oder Retortenbands als „Kunst“ gilt ist die Messlatte von Kunst so weit unten, dass da Spiele locker drüber kommen. Auch ist mir nicht ganz klar, warum ihr Kunst und Kontroverse gleichsetzt. Ich stimme euch zwar grundsätzlich zu, dass mein Anspruch an Kunst auch der ist, dass es unbequem und aufrüttelnd sein sollte, aber nichtsdestotrotz fällt doch der Großteil dessen, was landauf, landab unter den Kunstbegriff fällt nicht unter die Kategorie „Kontrovers“.

    Spiel und Schuld hingegen ist ein sehr spannendes Thema und es stimmt: Anders als bei Buch und Film wären Spiele in der Lage, dem Konsumenten Schuld zu injezieren. Ich mag es zwar nicht, aktuelle Beispiele zu bringen, weil man dann immer so gehyped klingt, aber: Witcher 3. Erst gestern vor dem hören des Podcast habe ich folgende Szene erlebt:

    Ich wandere durch die Slums von Novigrad, als ich plötzlich ein lautes klopen und rufen höre. „Aufmachen, aufmachen!“. Als ich die Quelle der Geräusche suche sehe ich, wie 3 Hexenjäger gerade die Tür einer ärmlichen Hütte aufbrechen. Ich geh hinterher und bekomme mit, wie die Jungs einen Magier abführen wollen, der zum Tode verurteilt wurde. Mit in der Hütte sind die Frau des Magiers und das verängstige Kind und die Trulla ist sogar so blöd und gibt die Dinge zu, die ihrem Mann vorgeworfen werden.

    Was nun also tun? Die Hexenjäger sind im wesentlichen Polizisten, die das (harte) Gesetz von Novigrad durchsetzen. Der Typ ist schuldig, seine Frau hats sogar zugegeben. Klar könnte ich mich mit denen anlegen, aber will ich mich wirklich das Gesetz von Novigrad zum Feind machen? Andererseits kann ich aber auch nicht zulassen, dass dieser Typ vor den Augen seines Sohnes abgeführt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird….

    Die Entscheidung ist mir extrem schwer gefallen, aber ich hätte mich schuldig gefühlt, nichts zu machen. Obwohl er ein Verbrecher ist. Obwohl ich nun wahrscheinlich Ärger mit den Hexenjägern kriege, deren Boss mich eh schon gewarnt hat, dass er nur darauf wartet, dass ich einen Fehler begehe.

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  6. one_of_one 26. Mai 2015 / 15:35

    Ich finde auch, dass ihr den Kunstbegriff doch sehr stark einengt. Kunst kann kontrovers und skandalös sein, muss sie aber meiner Meinung nach ganz und gar nicht. Satire zählt für mich z.B. genauso als Kunst und da gibt es im Spielebereich schon sehr viel mehr Vertreter.

    Ich stimme zu, dass Spiele ihre Möglichkeiten nicht ausreizen (was oft wirklich schade ist), aber wenn man sich allein das Genre der Rollenspiele ansieht, stehen dort fast immer Entscheidungsfreiheit und Interaktion im Vordergrund. Die Geschichte (zumindest im Kleinen bei einzelnen Quests) wird dabei direkt vom Spieler beeinflusst und andere Charaktere reagieren auf meine (teils wirklich schweren) Entscheidungen und ich muss mit den Konsequenzen leben. Und das ist für mich definitiv Kunst.

    Wenn Bücher und Filme als Kunst zählen, dann für mich auch ohne Frage die meisten Spiele (die über Tetris und Pong hinausgehen). Selbst wenn sie nur eine Mischform aus Buch und Film bieten.

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    • Guckguck 27. Mai 2015 / 11:28

      Ist Tetris bspw. wirklich keine Kunst? Ohne jetzt Kunstheorien zu kennen, hat das Spiel doch etwas völlig neues geschaffen, einen ganz neuen „Style“, der in unzähligen Nachfolgern und Kopien weiter verfeinert wurde, evtl. vergleichbar mit den Bildern von Keith Haring. Bei Pong würde ich auch sagen, dass die Abstraktionsleistung von Tennis zu Pong enorm ist. Wenn man das auf ’ne Leinwand malt, ist es abstrakte Kunst.

      Außerdem könnte man ja (anlehnend an Andrés Argument, dass man in Spielen sich die Dinge angucken kann, die man will, im Vergleich zu Roman) sagen, dass Spiele durch ihre Abbildung der Realität diese interpretieren, und zwar über den Film hinaus, eben weil man sich zumindest in Open-World-Spielen ja das angucken kann, was man will. Gestern lief auf Arte beispielsweise ein Beitrag über Canaletto (http://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Antonio_Canal). Bei ihm ist die Darstellung Kunst (natürlich weil er verschiedene Aspekte besonders betont und verkünstelt etc). Für mein ungeübtes Auge stellt der Mann doch einfach nur Venedig da, so wie ein GTA 4 bspw. New York darstellt. Analog zu der Entwicklung der Spielwelt über die verschiedenen GTA-Teile entwickelten sich seine Bilder in bestimmten Details.

      Zu guter letzt habe ich mich gefragt, ob Gameplay an sich nicht Kunst sein kann. Natürlich gibt es viele Ego-Shooter mit dem immer gleichen Gameplay, aber Tetris wäre ja ein Beispiel für ein neues Spielkonzept, oder auch Dune 2. Hängt sicherlich sehr an dem, wie man Kunst definiert, denn mit etwas Wohlwollen könnte man sicherlich auch ein Toaster als Kunst darstellen.

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      • one_of_one 27. Mai 2015 / 23:46

        Wenn man es so betrachtet, kann man Tetris sicher auch als Kunst einordnen. Das stimmt. Ist eben alles Definitionssache.

        In einer Welt, in der selbst an die Wand geworfene Farbeimer als Kunst zählen, gilt das für Spiele mit Sicherheit auch. Selbst wenn sie vorwiegend der Unterhaltung dienen.

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  7. Julian 27. Mai 2015 / 16:26

    Wiedermal ein sehr interessanter Podcast. Ich kann eigentlich allem zustimmen und bin gespannt auf die Fortsetzung.

    Ich finde, es ist nicht sinnvoll, darüber zu diskutieren, ob etwas „Kunst“ ist, wenn man gar nicht genau sagen kann oder will, was „Kunst“ eigentlich ist. Wer nicht seinerseits definiert, was er mit Kunst meint, trifft mit der Behauptung, Spiele seien Kunst, eine vollkommen inhaltslose Behauptung. Alleine deshalb ist die Aussage, Spiele seien Kunst, meiner Meinung nach oft bereits zweifelhaft und eben ein „Mythus der Spieleindustrie“ bzw. der Spielerschaft.

    Letztlich steht hinter einer solchen Behauptung, wie, glaube ich, Jochen und André gesagt haben, eher der Wunsch einer Legitimisierung eines Hobbys, das gesellschaftlich nicht sehr gut angesehen ist. Es wird Respekt eingefordert für eine bestimmte Art der Unterhaltung und damit auch für diejenigen, die sich mit ihr identifizieren.

    Viele Malereien oder Fotografien stellen Alltagsszenen oder Landschaften dar, ohne dass diese einen darüber hinausgehenden Anspruch haben. Sie werden dennoch als Kunst angesehen, weil der Werktyp „Malerei“ oder „Fotografie“ als Kunst angesehen werden.

    Fakt ist jedenfalls, dass Spiele entgegen diesem in der Spielerschaft oft geäußerten Wunsch und Anspruch von den meisten Menschen nicht als Kunst angesehen werden. Und das meines Erachtens zu Recht, sofern damit eine Aussage über den intellektuellen Anspruch von Spielen gemeint ist.

    Entscheidend ist nämlich meines Erachtens etwas anderes als die Kunstfrage: Die allermeisten Spiele sind intellektuell belanglos und in dieser Hinsicht auch unambitioniert. Sie enthalten selten eine intelligente Aussage und behandeln oder stellen keine interessanten Fragen. Sie sind reine Unterhaltungsprodukte und wollen auch nicht mehr sein. Letztlich sind eben die meisten Spiele virtuelle „Spiel“-Zeuge, vergleichbar mit Gesellschaftsspielen, Modelleisenbahnen oder Playmobil.

    Die intellektuelle Armut der meisten Spiele lässt dann die wenigen erwachsenen Spiele, die diese Ambitionen haben und auch einlösen, umso herausragender wirken. Für mich gehören hierzu Journey und Gone Home. The Witcher 3, so fantastisch und teilweise auch intelligent es ist, gehört meiner Meinung nach nicht dazu. Viel zu selten hat man nach dem Durchspielen eines Computerspiels den Eindruck, einen geistigen Gewinn von dieser Erfahrung zu haben, der über das reine Spielerlebnis hinausgeht, auch wenn diese Erfahrung viel intensiver und immersiver sein kann als etablierte Kunstformen wie Literatur, Musik oder Malerei ermöglichen.

    Vielleicht ändert sich das mit einem älter werdenden Publikum, einer weiteren gesellschaftlichen Akzeptanz und vor allem auch durch stärker autorengetriebene Indie-Spiele. Ich denke aber, dass „künstlerische“, erwachsene Spiele im oben geschilderten Sinn die Ausnahme bleiben werden und die allermeisten Spiele virtuelle Spielzeuge und „guilty pleasures“ bleiben werden. Das ist in Ordnung, aber man sollte ihnen nicht eine Bedeutung beimessen, die sie nicht haben.

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  8. FozNertep 28. Mai 2015 / 14:27

    Was übrigens den „Transfer“ von durch Spielen bekannte Schauspieler auf die Leinwand angeht, die Darsteller von Vaas in Far Cry 3 und Trevor in GTA 5 haben es kürzlich zumindest in die erste Staffel von „Better Call Saul“ geschafft.

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  9. derfuchsi 3. Juni 2015 / 17:44

    In der Kunstdiskussion entsteht bei mir der Eindruck Kunst muß den Mut zur Kontroverse haben. So habe ich Jochen verstanden. Nach der Definition scheint Hatred mehr Kunst zu sein als z.B. GTA V das die heißen Themen mit einem satirischen Ansatz wieder entschärft.
    Jedenfalls ist Hatred seit langem das kontrovers diskutierteste Spiel und somit anscheinend ein großes Kunstwerk.

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  10. Tanja Legertz 14. Juni 2015 / 18:42

    Warum droht ein Brief vom Anwalt, wenn die Vorwürfe stimmen? Hat man auch als nicht mehr aktiver Spielejournalist immer noch diese Schere im Kopf? Was würde denn schlimmstenfalls passieren, wenn Du ne halbe Stunde aus dem Nähkästchen über sagen wir mal JoWood plauderst?

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  11. tloch82 13. Juli 2015 / 21:11

    Hallo, ich bin durch den Gastauftritt von Christian Schmidt auf euch gestoßen. Gefällt mir ganz gut wie ihr über eure Themen diskutiert, vor allem gerne auch mal kontrovers.

    Es folgt Spoiler zu Spiel (Spec Ops) und Cast:
    Und dieses Folge gefällt mir in dem Punkt besonders gut. Aber den Part mit Spec Ops teile ich nicht. Andre stellt es zwar noch halbwegs klar, dass man im Vorfeld denkt es sind nur Soldaten beim Luftschlag. Aber genau deswegen ist die Szene ja so stark, wenn man dann feststellt, dass Zivilisten dabei sind. In dem Moment kann man sich ja auch selbst hinterfragen, frei nach dem Motto, Soldaten sind OK, aber Zivilisten nicht. Und später kommt ja auch eine Szene in der man die Wahl, wie es sich Jochen wünscht. Und das auch noch so, dass einem das Spiel nicht explizit sagt. Wenn die Menschen gegen Ende auf einen zugehen. Man kann auf sie schießen, aber es reicht auch in die Luft zu schießen. Und auch das Ende so geil mit seinen unterschiedlichen Enden. Der Wahnsinn ist in meinen Augen auch kein Cheap-Plot-Twist. Durch die Interaktion, spiegelt es in meinen Augen den Wahnsinn eines Videospielers wieder, der sich durch 100ter von Gegnern ballert.

    Ich will nicht sagen, dass Spec Ops „Kunst“ ist, aber es hat das, was ihr (speziell Jochen) gefordert habt. Es ist Risiken eingegangen um mit den Mitteln eines Spiels eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema zu schaffen. Und wurde mit lächerlichen Verkaufszahlen auch entsprechend abgestraft.

    Man hätte locker bei einem Medal of Honor oder den CoD Spielen bleiben können, wenn man beschreiben will, dass Kriegsspiele, eben nicht den Weg des Anti-Kriegsspiel gehen. Spec Ops ist den Weg gegangen. Und in meinen Augen, wer sich drauf einlässt, bekommt dort auch geliefert.

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    • Andre 18. Juli 2015 / 8:30

      Die Szene, in der man vor der Menschenmasse steht und auch in die Luft feuern kann, ohne das es das Spiel dir vorkaut, ist tatsächlich hervorragend. Beim Plot-Twist am Ende gehen unsere Meinungen allerdings deutlich auseinander und auch die Interpretation zu dem Soldaten / Phosphor „Dilemma“ finde ich recht wohlwollend.

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      • tloch82 18. Juli 2015 / 16:43

        Danke für die Antwort, höre mich gerade durch den Rest eurer bisherigen Folgen. Bin stets auf der Suche nach neuem Hörfutter um mich beim Sport ein wenig berieseln zu lassen. Ihr habt als einen Stammhörer mehr im Gepäck, es sind also mindestens 4-5 mittlerweile. 🙂

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        • Andre 18. Juli 2015 / 16:49

          Bald muss Christian deabonnieren, um sicher zu gehen! 😉

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  12. KlausigerKlaus 28. August 2015 / 4:41

    Bin über Nachfragen in der Feedbacksendung auf den Podcast aufmerksam geworden und habe auch bereits für Euch geworben.
    Beim erneuten Anhören ist mir nochmal – und leider wiederhole ich mich, denn dazu habe mich damals auch bzgl. Andres Report über EA geäußert – aufgefallen, wie gefühlt unterschiedlich Ihr Euch hier zu Publishern wie EA äußert und wie es z.B. Jochen zu Gamestarzeiten geäußert hat. Gerade seine Anekdote zu Ultima 8 schreit nach einem Vergleich mit seinen Äußerungen in einem Ultima Historienvideo. Dort wird nämlich EA der gesamte schwarze Peter zugeschoben.
    Und wie damals in der Forumsäußerung über Andres Artikel – der aber, solange ich ihn als Journalist wahrnehme, immer klargestellt hat, dass er eine positivere Wahrnehmung von EA hat als ein größerer Teil im Netz – stört es mich einfach, dass es mir beim Hören so vorkommt, als wären es wider die nicht fachlich gebundenen Spieler, die Publisher wie EA oder Ubisoft verdammen. Dieses ist natürlich Quatsch und das konnte ich trotz der deutschen Spielepresse herausfinden. Denn erneut wird nicht darauf hingewiesen, dass mittendrin die Spielepresse speziell bei EA ihren Anteil daran hatte, dass das Image eher negativ ist.
    Ich gestehe, dass ich es nicht mag, das Gefühl zu haben, moralisch belehrt werden zu sollen, obwohl manchmal selbst „Leichen“ im Keller stecken, bzw. ausgerechnet hier nicht eingestanden wird, dass z.B. hinsichtlich der Studioschließungen und veränderter Speilekonzepte zunächst der Mutterkonzern oder Publisher von den Magazinen als einzig Schuldige präsentiert wurden.
    Höre ansonsten weiterhin gerne zu, wobei ich natürlich gerne manche Kritik Jochens an der Presselandschaft als Umsetzung in der Gamestar – sprich als weiter aktiver Part – gesehen hätte.
    Musste mich hierzu aber doch äußern, wobei ich noch länger ausführen könnte, aber erst einmal aufhöre, da der Kommentar eh schon zu lang ist.

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    • KlausigerKlaus 9. September 2015 / 11:55

      Bin froh, dass mir bisher nicht der Kopf gewasche wurde und antworte nur kurz auf meine eigene Meldung, um mich bei Jochen für meine Kritik an angeblich verschiedenen Äußerungen über EA zu entschuldigen.
      Habe mir heute noch einmal das betreffende Video angeschaut und entgegen meiner Erinnerung stellt Jochen bereits hier klar, dass einige Vorwürfe an EA von Gariott persönlich entkräftet wurden.
      Das kommt davon, wenn man eine Erinnerung nicht überprüft und sich leider als typisch unreflektierter Internetuser präsentiert *sichindereckeschäm*. Also noch einmal Sorry an Jochen für eine nicht zutreffende Äußerung meinerseits.

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